Meine Ankunft zum Weihnachtsurlaub in Deutschland hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Unbeschwerte Freizeit, die süßlichen Schwaden einer Feuerzangenbowle, sinnentleerte Videoabende mit Freunden, sprich: alle Annehmlichkeiten der westlichen Zivilisation schwebten mir vor. Dementsprechend unangenehm überrascht war ich dann, als meine Eltern mich am zweiten Tag nach meiner Ankunft folgendermaßen empfingen:
Die Vorgeschichte wird dem einen oder anderen Leser bereits vertraut sein, ich gehe trotzdem noch einmal darauf ein. Es steht zu befürchten, dass dieser Eintrag den Charakter bloßen therapeutischen Schreibens trägt. Wen das völlig zu Recht nicht interessiert, ist aufgefordert, bis zum Abschnitt "Schaschlik Bisiness" vorzuspringen.
Mitte November begann ich nachts leichtes bis mittelschweres Fieber zu bekommen und hatte auf einmal Schmerzen in der Seite. Als es mir nach einigen Tagen nicht besser ging, begab ich mich in die Obhut eines westlichen Arztes. Seine Praxis ist in dem vorderen Teil eines Gebäudes der Duschanbiner Universitätsklinik untergebracht, und so ergab sich ein eigenartiger optischer Effekt, als er mich nach der üblichen Anfangsuntersuchung zum Ultraschall in einen Untersuchungsraum des Krankenhauses schickte: Eben noch war ich in den blitzsauberen, mit modernen Geräten vollgestopften, gut gewärmten Räumen einer europäischen Arztpraxis, in der die wenigen Patienten und Angestellten leise auf Englisch miteinander sprachen; dann folgte ich einer russischen Krankenschwester, trat durch eine Tür aus Kunststoff, und schon befand ich mich in einem dunklen, zugigen Gang, der Boden aus nacktem Estrich bestehend, die Farbe von den Wänden fast vollständig abgeblättert, voll mit humpelnden Menschen, besorgten Angehörigen und schreienden Kindern, betriebsam wie ein Verbindungsgang in der Londoner U-Bahn zur Rush Hour. Vor einer Tür wartete eine größere Menschenmenge, keiner schien es erwarten zu können als nächster hineinzukommen, und sobald sich die Tür für einen kurzen Moment öffnete, drängten sie sich dagegen als gelte es, die letzten Plätze in einem voll besetzten Bus zu ergattern. Mich im Schlepptau, drängte sich die Schwester mit mehreren lauten Kommandos durch die Menge und ermöglichte mir so den Zutritt zum Ultraschall-Untersuchungsraum. Sie entschuldigte sich bei mir für den Zustand des Gebäudes und der Geräte.
Der Befund der Untersuchung wie auch weiterer Untersuchungen, Röntgenaufnahmen und Proben blieb ohne greifbares Ergebnis. Der westliche Arzt äußerte die Vermutung, es handle sich um eine Entzündung der Pleura, woraufhin ich für einige Tage Antibiotika schluckte. Nichts änderte sich, und als ich nach fast drei Wochen immer noch jeden Morgen wie aus dem Wasser gezogen erwachte, die Schmerzen zunahmen und der westliche Arzt wie auch ein hinzugezogener Pulmologe nur noch mit den Achseln zuckten, entschied ich, dass es eine gute Idee sein könnte, ein wenig früher nach Deutschland zu fliegen. Nach Absprache mit Kai, meiner Uni und dem DAAD in Bonn setzte ich mich dann schon am zehnten Dezember ins Flugzeug, den ich recht unruhig verbrachte, hing einige Stunden übermüdet im vor Konsumangeboten berstenden Transitbereich des Istanbuler Flughafens herum und kam ziemlich abgemagert und verschwitzt in Frankfurt an.
Schon am nächsten Morgen brachten mich meine Eltern zu einem Arzt nach Bonn. Es war ein Allgemeinmediziner (die örtliche Tropenmedizinerin lag selbst mit Fieber im Bett), der mich wie schon gehabt oberflächlich untersuchte und mich nach meinen Beschwerden befragte und danach, wo ich denn jetzt gerade herkomme. Bei den Stichworten „Fieber“, „Lunge“ und „Tadschikistan“ schien er zurückzuschrecken und auf einmal merklich von mir abzurücken. Soso, dann solle ich mich doch mal wieder hinausbegeben. Er werde kurz mit einem Lungenarzt telefonieren, um zu fragen, wie jetzt weiter zu verfahren sei. Ich wurde in ein nicht benutztes Untersuchungszimmer gesetzt, die Tür wurde geschlossen. Nach einer halben Stunde teilte eine Sprechstundenhilfe mir mit, ich solle mich sofort von meinem Vater ins Krankenhaus fahren lassen. Auf gar keinen Fall dürfe ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin fahren. Sie wünschte mir noch alles Gute.
In der Notaufnahme angekommen, wurde mir sofort ein Mundschutz aufgesetzt und man verbat mir, ihn abzusetzen. Nach einer kurzen Untersuchung durch einen Internisten, der bei der Erwähnung von Tadschikistan nur den Kopf schüttelte, wurde ich mit Verdacht auf Tuberkulose auf ein Isolationszimmer auf der Lungenstation eingewiesen. Was Isolationszimmer hieß, stellte ich schnell fest: Ich durfte den Raum nicht verlassen, und jeder, der hineinkam, musste selbst einen Mundschutz sowie eine Plastikhaube und einen Plastikkittel anziehen. Hier würde ich nun verbleiben, bis die Untersuchungen ein eindeutig positives oder negatives Ergebnis erbracht hätten. Aus meinem Fenster blickte ich zu allen Seiten auf graue Betonwände des Krankenhausinnenhofs. Die Schwestern stahlen sich, mit Mundschutz gewappnet, für einen kurzen Moment in mein Zimmer, stellten blitzschnell das Tablett mit dem Essen auf den Tisch und verschwanden wieder. Auch die Putzfrauen schienen mich als unkalkulierbares Risiko zu empfinden und mich unter der Maske ängstlich anzustarren, während sie hektisch den Boden wischten. Ich bekam einen Eindruck davon, wie Hannibal Lecter sich in seiner Zelle gefühlt hatte.
Unangemeldeter Besuch
Nach fünf Tagen, nach einer Computertomographie bekam ich den Bescheid, dass Tuberkulose oder jedwede andere Lungenerkrankung ausgeschlossen werden könne. Ich konnte mein Zimmer nun verlassen, Besucher mussten keinen Mundschutz mehr tragen. Jetzt wandten sich die Ärzte anderen Ursachen zu, und nach einer eingehenden Ultraschalluntersuchung durch einen Oberarzt stellte sich heraus, dass da am Rand meiner Leber ein ziemlich scharf abgegrenzter, ziemlich dunkler Fleck zu sehen war. Es folgten viele Blutproben, Stuhlproben und schließlich nach einigen Tagen die Erkenntnis, dass ich kleine, unangemeldete Besucher namens Entamoeba histolytica in mir trug, im allgemeinen für Amöbenruhr verantwortlich, doch nun auf wundersame Weise in meine Leber gewandert, wo sie sich eine Art Festung in Form eines Abszesses gebaut hatten. Ich wurde sofort auf Antibiotika gesetzt. Der Hinweis in deren Packungsbeilage, dass eine derartige Erkrankung unbehandelt des öfteren tödlich verläuft, zeigte mir, dass es wohl eine gute Idee war, früher zurück nach Deutschland zu fliegen.
Das Einzelzimmer behielt ich auch weiterhin. Ich hatte mich unterdessen an den Ausblick gewöhnt. Das Wetter schien sich aus dieser Perspektive überhaupt nicht zu verändern, ja es schien gar kein Wetter mehr zu geben, sondern nur noch diese grauen Wände. Auch Tadschikistan schien es nicht mehr zu geben, oder die Menschen, die ich dort kennengelernt hatte. Genauso schien auch Bonn verschwunden zu sein, meine Freunde und meine Familie, die mich besuchten, schienen aus dem Nichts in mein Zimmer zu treten und auch wieder dorthin zu verschwinden. Ich hatte einen Fremdkörper in mir, und ich war ein Fremdkörper hier im Lungenzentrum. Während die älteren Männer auf der Station, mit grauen Gesichtern und ballonseidenen Trainingsanzügen, hustend ihre blubbernden Lungenfelldrainagen durch die Gänge schoben und wider jegliches besseres Wissen zum Raucherbalkon drängten, war ich mit meinem Abzess auf extraterritorialem Gelände. Ich war aus Tadschikistan abgeflogen, aber nicht in Deutschland angekommen, sondern irgendwie in einer Falte des Raumzeitkontinuums verschwunden.
Die Antibiotika schlugen auch nach einigen Tagen nicht recht an. Viele Ärzte interessierten sich für meinen exotischen Fall. Beim nächsten Ultraschall standen schon vier Assistenzärzte um mich herum, als dann noch ein zweiter Oberarzt hinzugerufen wurde und, nachdem alle anderen zur Seite getreten waren, auch noch der Chefarzt der inneren Abteilung, der etwa eine Minute lang extrem schnell und unzusammenhängend sprach, wobei jeder seiner Sätze mit einem Nicken der anderen begleitet wurde. Außergewöhnlich, ja. Man habe ja schon mal davon gehört, dass so etwas in Mittelasien auftreten könne, aber ansonsten kenne man das ja nur aus dem Lehrbuch.
Die Arbeit des Patienten
Der Chefarzt beschloss, eine Leberpunktion durchzuführen, um so durch einen einzigen gezielten Eingriff den Abszess auszuspülen und abzusaugen. Der Eingriff, so beruhigte er mich, finde unter lokaler Betäubung statt und sei zwar etwas unangenehm, aber er habe das früher schon einmal gemacht. Keineswegs beruhigt ließ ich mich einen Tag später mit meinem Bett zu ihm fahren. Etwa eine Stunde lange dauerte nun die Vorbereitung auf den Eingriff. Ein Assistenzarzt war damit beauftragt, per Ultraschall zu kontrollieren, dass die lange, dünne Nadel des Chefarztes auch den richtigen Weg in die Leber fand. Kurz bevor er die Nadel einführte, erklärte er mir, wie ich mich zu verhalten hatte. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Nadel in die Leber eintrat, würde er mir das Kommando geben die Luft anzuhalten. Dies sollte ich so lange tun wie es mir möglich sei. Sobald ich nicht mehr könnte, sollte ich mit der Hand ein Zeichen geben, dies jedoch ungefähr fünf Sekunden bevor ich es nicht mehr aushielte. Danach dürfte ich weiterhin nicht tief, sondern nur sehr flach und kurz ein- und ausatmen. Diesen Anweisungen zu folgen sei wichtig: die Leber liege direkt unterhalb der Lunge, wenn diese sich bewege, bewege jene sich automatisch mit – und dann könne die Nadel abrutschen, und es könnte einiges kaputt gehen. Das sei aber im übrigen alles ganz einfach, der Eingriff würde nur ein paar Minuten dauern.
In seinem Text „Asyle“ rechnet der Soziologe Erving Goffman auch Krankenhäuser den „totalen Institutionen“ zu, Sonderformen von sozialen Institutionen, die allumfassenden Charakter haben, also eine hermetische Welt in sich bilden (und gleichzeitig ein Abbild der Gesamtgesellschaft im kleinen formen). Alle Bestandteile eines normalen Alltags werden auch von den „Insassen“ eines Gefängnisses, einer Kaserne oder eben eines Krankenhauses vollführt, nur eben mit dem Unterschied, dass all diese Verrichtungen hier vom „Stab“ der Institution gesteuert und kontrolliert werden. In Gefängnissen und Kasernen wird gegessen, geschlafen – und gearbeitet. Was aber ist mit der Arbeit im Krankenhaus? Das ist ein Aspekt des normalen Alltags, der hier fehlt. Oder? Vollführe ich als Patient im Krankenhaus etwas, das mit Arbeit vergleichbar ist? Wenn überhaupt, dann besteht die „Arbeit“ des Patienten wohl darin, mit den Ärzten und Schwestern zu kooperieren und ihren Anweisungen Folge zu leisten – man gibt Auskunft übers eigene Befinden, man hält still, wenn man eine Spritze bekommt. In den wenigen Fällen, wo eine mehr oder weniger aktive Kooperation gefragt ist, muss das für den Patienten ein eher schwer zu verdauendes Ereignis sein, da er diese aktive Kooperation nicht als seiner Patienten-Rolle für angemessen erachtet.
So erklärte sich wohl auch meine Reaktion auf die Forderung des Chefarztes, durch Kontrolle meines Atems zum Gelingen der Leberpunktion beizutragen. Jetzt sei er drin, kündigte er an. Der recht junge Assistenzarzt war neben der Kontrolle des Ultraschalls damit beauftragt, meine Hand zu halten und mir Vertrauen einzuflößen. Mit letzterem hatte er wohl noch nicht allzu viel Erfahrung, er blickte mich etwas ratlos an und sagte hin und wieder „Das wird schon, das wird schon“. Irgendwo rührte etwas in mir herum. „Jetzt nicht atmen!“, kam das Kommando. Etwa fünf Sekunden lang hielt ich mit wohl ziemlich weit aufgerissenen Augen die Luft an, dann durchflutete mich eine nie gekannte Panik, ich flatterte wild mit der Hand und begann sofort zu hyperventilieren. „Kann nicht, kann nicht...“, stammelte ich tonlos. „Dauert nur noch eine Minute“, entgegnete der Chefarzt ungerührt. Nachdem die Nadel ohne irgendwelche Schmerzen zu verursachen meinen Bauch wieder verlassen hatte, brauchte ich ziemlich lange, bevor ich wieder normal sprechen und atmen konnte. Das war meine „Arbeit“ für heute gewesen, und fast wäre ich damit überfordert gewesen. In den kommenden Tagen meines Aufenthalts beschränke ich mich lieber auf die Tätigkeiten, die ich beherrschte: Den Verband zurückschieben, wenn die Infusion kommt, das Fieberthermometer in den Mund nehmen, Auskunft darüber geben, ob ich heute schon Stuhlgang hatte. Einen bunten Arbeitsalltag hatte ich im Krankenhaus.
Der Lebereingriff erwies sich als weniger ertragreich als erhofft. Nur wenig von der trüben braunen Brühe konnte aus dem Abszess entfernt werden, so dass man mir bis auf weiteres eine Antibiotika-Infusion verabreichte und mir ankündigte, wenn das nach einer weiteren Woche keinen merklichen Rückgang des Klumpens bewirke, werde man in einem weiteren Eingriff einen Schlauch in meiner Leber installieren, also eine Drainage, mit der dann im Laufe einer weiteren Woche endgültig die ganze Gülle abgepumpt werden sollte. Ich freute mich schon. Unterdessen hatte ich mich nahezu vollkommen den Regeln der totalen Institution angepasst, Widerstand war zwecklos. Ich bat verstohlen um Erlaubnis, wenn ich einen kurzen Spaziergang nach draußen machte, obwohl mir das einfach so zustand. Ich meldete mich sofort bei der Stationsleitung, wenn meine Infusion nicht pünktlich gelegt wurde. Ich reagierte bereitwillig auf die Frage „Wie geht es uns denn heute“ und erzählte, erzählte und erzählte, ich konnte mir selbst nichts Interessanteres mehr vorstellen als meine Krankheit und betrachtete den Stab der Institution als Eingeschworene, die dieses Wissen mit mir teilen durften. Als sich an Heiligabend völlig überraschend die Möglichkeit ergab, für einige Stunden das Krankenhaus zu verlassen, um mit meiner Familie Weihnachten zu feiern, fühlte ich mich wie ein Deserteur, ein Verräter der Gesundheitsarmada.
Ich erwartete gottergeben die nächste Ultraschalluntersuchung und die Installation des Leberschlauchs. Ein neuer Assistenzarzt bat mich bereits einige Stunden vor der Untersuchung, ihm doch auf jeden Fall bescheid zu sagen, er wollte wohl auch gerne mit dabei sein, wenn noch einmal der Amöbenabszess aus Tadschikistan ins Blickfeld rücken würde, über den schon so viel geredet worden war. Er kleckerte meinen Bauch mit Kontaktgel ein, setzte das Ultraschallgerät an und begann zu suchen. Er muss enttäuscht gewesen sein, als er nichts fand. Der Oberarzt übernahm kurz darauf, aber auch er stellte fest, dass der Abszess sich offenbar nahezu vollkommen aufgelöst hatte. Weitere fünf Tage musste ich noch an eine Infusion der Antibiotika angeschlossen bleiben, dann wurde ich entlassen.
Im Moment freue ich mich nach drei Wochen im Krankenhaus über die wieder gewonnene Freiheit, muss aber weiterhin Antibiotika schlucken und kann daher noch nicht genau sagen, wann ich wieder in Tadschikistan sein werde. Mit Sicherheit zu Beginn des neuen Semesters im Februar, hoffentlich schon früher. Nachdem meine Krankengeschichte nun, wie man es leider von mir gewohnt ist, länger geworden ist als geplant, komme ich jetzt zu den viel erbaulicheren Ereignissen in Tadschikistan, die dem vorausgegangen sind.
Schaschlik Bisiness
Der Winter hatte eigentlich noch nicht wirklich begonnen, auch wenn an einem Morgen bereits Frost auf den Pflanzen und auf der Erde lag und auch die erste dünne Schneeschicht für einen Tag die Stadt bedeckte – dennoch, auch an einem Tag Anfang Dezember zeigte das Außenthermometer noch einmal 20 Grad Celsius an. Ohnehin scheinen die Tadschiken ein Volk zu sein, dass grundsätzlich die Außengastronomie liebt; bisher haben die Menschen tatsächlich jedem Wetter getrotzt und sich neben den Schaschlikgrills unter einem Sonnenschirm eingefunden, um entweder Spieße oder das unvergleichliche Plov auch bei empfindlichen Temperaturen draußen zu genießen. Und im Gegensatz zu den Deutschen brauchen sie dafür gar keine Heizpilze, die Kohlendioxid in die Atmosphäre schleudern.
Im übrigen ist die tadschikische Gastronomie mit der deutschen sowieso schlecht vergleichbar: Die tadschikischen Oschchonas (wir würden sie vielleicht als Imbiss oder Bistro bezeichnen) werden vielfach auch in privaten Wohnungen oder Häusern betrieben. In der Küche der Familie oder auf einem Schaschlikgrill im Innenhof werden die Speisen zubereitet und dann in den Vorgarten gebracht, wo die Tische stehen (so auch in dem Mietshaus, in dem ich wohne). Andere Familien backen einfach nur Brot bei sich zu Hause und verkaufen es in der Nachbarschaft. Die wirtschaftliche Handlungsmacht vieler Menschen ist extrem begrenzt, doch in diesem engen Radius wird tatsächlich jeder Quadratzentimeter ausgenutzt. Und sei es nur, dass ein alter weißhaariger Mann am Basar sich neben einer kleinen Personenwaage auf den Boden setzt und sich die persönliche Gewichtsinformation mit ein paar Cents bezahlen lässt – eine Geschäftsidee, die ich auch in Rumänien schon gesehen habe.
Bewerbungen
Allgemein war es jetzt recht ruhig geworden in Duschanbe. Meine Tätigkeiten an der Uni für dieses Semester schrumpfen immer mehr zusammen, mein Stundensoll war fast schon erfüllt, und die verbleibenden Stunden musste ich nun soweit es ging auf die verbleibende Zeit bis Ende des Semesters ausdehnen. Im Büro standen noch einmal ein paar Bewerbungsfristen an: Zum einen schreibt das Goetheinstitut Stipendien aus für Deutschlehrer (an Schulen, Universitäten und privaten Instituten), damit sie an Fortbildungskursen in Deutschland teilnehmen können; da es in Tadschikistan bisher jedoch gar kein Goetheinstitut gibt, übernimmt hier die Deutsche Botschaft die Vorauswahl der Bewerber, mit (recht umfassender) Hilfe des DAAD.
Die Bewerber für dieses Stipendium sind fast alle alte Bekannte des DAAD, die in der einen oder anderen Form in der Vergangenheit schon einmal gefördert worden sind. Hier galt es darum mit besonders viel Fingerspitzengefühl vorzugehen, um Gerechtigkeit walten zu lassen, und andererseits den Leuten, die man außen vor lassen musste, nur ganz behutsam auf den Schlips zu treten und ihnen, soweit möglich noch Alternativen anzubieten. Die Erwartungshaltung der Bewerber war dabei oft geprägt von bestimmten, für uns nur schwer durchschaubaren esoterischen Hirarchiesystemen innerhalb der Fakultäten. Vereinfacht lässt sich sicher sagen, dass derjenige, der über mehr Dienstjahre sowie Ämter und Würden verfügt, vollkommen natürlicherweise davon ausgeht, er sei nun in jedem Fall „an der Reihe“, ein Stipendium abzubekommen. Wenn wir nun einen jüngeren, unerfahreneren Kollegen von der gleichen Fakultät bevorzugen, der sehr talentiert ist und gerade aufgrund seines Alters noch einen weiteren Lernhorizont hat, ist es fast unausweichlich, dass wir damit den Groll der Älteren auf uns ziehen – eine Tatsache, die wir auch nicht völlig ignorieren können, da wir mit diesen Menschen ja weiterhin zusammenarbeiten müssen und wollen, schließlich sind wir selbst in Dushanbe auch Angestellte einer Universität.
Weiterhin stand noch die Auswahl von Bewerbern für ein Semesterstipendium an, die dann ein halbes Jahr lang Germanistik in Deutschland studieren können, und die Stipendien für einen Forschungsaufenthalt in Deutschland. Bei letzterer Auswahl hatte ich endlich einmal Gelegenheit, Bewerber aus allen möglichen Fachrichtungen kennenzulernen (und nicht nur „Germanisten“, die leider oft nur sehr eindimensionale Zukunftspläne haben. Wenn hier mal einer sagen würde „Ich möchte was mit Medien machen“, wäre man schon glücklich). Der größte Anteil der Bewerber waren Mediziner, eine Gruppe, die es prinzipiell nicht allzu schwer hat, die Motivation für Forschung oder Studium in Deutschland zu begründen; ich habe bereits einmal ein tadschikisches Krankenhaus von innen gesehen und weiß daher ein wenig wovon ich spreche. Neben ihrem Forschungsplan waren darum bei diesen Bewerbern wieder einmal auch ihre Sprachfertigkeiten der ausschlaggebende Punkt – nicht unerheblich, wenn man in einem deutschen Krankenhaus arbeiten möchte. Ein Bewerber aus der plastischen Chirurgie wurde wegen seiner nicht vorhandenen Deutsch- und Englischkenntnisse sofort ausgemustert, noch nicht einmal sein Russisch war überzeugend. Wir scherzten ein wenig darüber, ob ein plastischer Chirurg denn so umfassende Sprachkenntnisse überhaupt brauche, da der Dialog mit dem Patienten sich doch auch stark reduzieren ließe: „Nase klein machen? Busen groß machen?“ – mit einer ein- bis zweiseitigen Vokabelliste ließe sich sicher alles Wichtige abdecken.
Abrahams Fest
Das öffentliche Leben der Stadt verlief nun also recht ruhig, man schien sich langsam in eine Art Winterstarre zurückzuziehen. Bevor die jedoch wirklich begann, galt es, sich noch einmal ein richtiges Fettpolster für den Winter anzufressen. Und dies kann man ganz hervorragend tun anlässlich des größten islamischen Festes, dessen Termin jedes Jahr neu nach dem Mondkalender berechnet wird; das von den Tadschiken Idi Kurbon genannt wird und in Deutschland einfach Opferfest heißt.
Das Opferfest findet alljährlich auf dem Höhepunkt der Hadsch, der großen Pilgerschaft nach Mekka statt. Zur Erklärung seines Ursprungs wird meist auf die Geschichte von Ibrahim und seinem Sohn Isaak verwiesen: Allah befiehlt Ibrahim, auf einen Berg zu steigen und ihm dort seinen Sohn zu opfern. Ibrahim befolgt die Anweisungen seines Gottes und hat gerade schon das Messer angesetzt, als Allah einschreitet und ihm verkündet, all dies sei nur eine Probe seiner Glaubensfestigkeit gewesen; sie beide sollten nun gemeinsam hingehen und stattdessen einen Widder opfern. Wem diese Geschichte mehr als bekannt vorkommt, der liegt richtig, schließlich ist es nichts anderes als die alttestamentarische Geschichte über Abraham. Muslimische Gemeinschaften weltweit nehmen nun bis heute diese Geschichte zum Anlass, am Idi Kurbon ein Tier zu schlachten, meistens ein Schaf oder eine Ziege. Zum Teil verarbeitet die Familie das Fleisch selbst (zu Speisen, die direkt an diesem Tag gegessen werden), zum Teil wird es an Bedürftige aus der Nachbarschaft verschenkt, Ausdruck eines muslimischen Caritasgedankens. Nicht jede Familie kann es sich indes leisten, ein Tier zu opfern; wichtig ist in jedem Fall, den Gästen (Verwandten, Freunden, Nachbarn) einen reichlich gedeckten Tisch zu bieten und sich aufopferungsvoll um sie kümmern. Ein weiterer Teil des Pflichtprogramms ist ein morgendlicher Besuch der Moschee, in der zu diesem Anlass eine besondere Predigt stattfindet. In Tadschikistan allerdings scheint es nicht höherem Maße Pflicht zu sein als in Deutschland ein Kirchenbesuch zu Weihnachten: Darauf angesprochen, ob er und seine Familie zum Feiertag in die Moschee gingen, grinste mich einer meiner Studenten an und meinte, ja, für seinen Bruder sei das das Richtige, aber für ihn gebe es keinen Grund in die Moschee zu gehen. Ob dies nun nur auf die jahrzehntelange Unterdrückung der Religion in der Sowjetunion zurückzuführen ist, oder auch auf die Auswirkungen der Globalisierung – oder gar auf rein persönliche Religionskritik, ich weiß es nicht zu sagen.
In diesem Jahr fiel der erste Tag des Idi Kurbon auf einen Montag, den achten Dezember. Tadschikistan ist zwar keine islamische Republik, aber die Regierung ist muslimischen Traditionen gegenüber zumindest weniger kritisch eingestellt als zum Beispiel das Nachbarland Usbekistan (wo der Geheimdienst zu jedem Gebet in der Moschee seine auffälligsten Men in Black schickt, um eventuelle islamistische Aktivitäten im Keim zu ersticken). Daher ist hier das Opferfest ein offizieller staatlicher Feiertag. Kai Franke und ich hatten somit keinerlei Pflichten an der Universität, und auch im Deutschen Haus herrschte gähnende Leere. Somit konnten wir guten Gewissens der Einladung von Tavakal, eines Studenten folgen, der mit uns zusammen das Opferfest in dem Dorf feiern wollte, in dem seine Eltern leben.
Ritual und Gemütlichkeit
Am Morgen waren wir um neun Uhr mit ihm an der Bushhaltestelle gegenüber der UN-Botschaft verabredet. Kai wollte mit seinem Jeep und seinen beiden Kindern dort vorbeikommen und Tavakal und mich mitnehmen. Unser junger tadschikischer Freund war allerdings nicht zur Stelle, auch nachdem wir eine Viertelstunde gewartet hatten. Auch war er auf seinem Handy nicht erreichbar. Als es bereits halb zehn war, ging er schließlich ans Telefon. Wo er denn sei, fragte Kai ihn. Er sei jetzt noch bei seiner Tante, antwortete er. Er sei gerade noch dabei ein Schaf zu schlachten. Ob wir ihn vielleicht dort abholen könnten, fragte Kai. Ja, natürlich, dass sei in der Nähe des Zirkus. Das bedeutete genau am anderen Ende der Stadt, von uns aus gesehen. Natürlich fuhren wir sofort los.
Ein Zirkus in den Ländern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten ist oftmals nicht ein Zelt, dass eine Artistengruppe temporär aufbaut, sondern ein großes, mehr oder weniger rundes Gebäude aus Beton, in dem wechselweise der eigene Staatszirkus oder Gäste aus anderen Ländern (meist ehemalige Brudervölker) ihre Künste darbieten – von außen ähnelt es oft eher einem kleinen Sportstadion. Als wir nun die Zirkusanlage von Duschanbe erreicht hatten, telefonierten wir noch einmal eine halbe Stunde herum, bis wir Tavakal antrafen, der mit dem Ausnehmen und Zerlegen des Schafes offenbar noch nicht zu Ende gekommen war. Er führte uns in den Innenhof des Hauses seiner Tante, wo das Tier bereits gehäutet an einem Haken hing, zwei seiner Keulen lagen daneben auf einer Folie. Der kleine Student schien sein Handwerk recht gut zu verstehen und zügig zu arbeiten. Bis er fertig war, bat er uns, sich an die Festtafel seiner Verwandten zu setzen und schon einmal kräftig zuzulangen. Wir meldeten Bedenken an, schließlich wollten wir ja noch in sein Heimatdorf fahren und würden dort sicherlich noch sehr ausgiebig speisen. Weder er noch seine Verwandten ließen das gelten, und so saßen wir als erste Gäste des langen Feiertages auf Bodenmatten vor einer unüberschaubaren Menge an Speisen und Süßigkeiten, allein an einer riesigen Tafel, an der sicher 20 Gäste Platz hatten. Während Tavakal sich weiter an den Teilen des Schafes zu schaffen machte, gingen Kais Kindern, die drei und sieben Jahre alt sind, vollkommen die Augen über angesichts der unirdischen Masse an Keksen, Bonbons und Torten, die vor ihnen verlockend inszeniert war. Während Kai verzweifelt versuchte, sie vor einer bodenlosen Kalorienattacke zu bewahren, ermunterte Tavakals Onkel sie immer wieder, doch noch einmal zuzugreifen. Dies war nur das erste von vielen Häusern, die wir heute besuchen würden, und so waren wir froh, als Tavakal mit frisch gewaschenen Händen endlich bereit zum Aufbruch war.
Die Fahrt bis zu dem Dorf in der Nähe der Kleinstadt Faizabad dauerte etwas mehr als eine Stunde, während des letzten Streckenteils über holprige Feldwege war ich einmal mehr sehr froh darüber, dass Kai einen Jeep besitzt. Das Häuschen von Tavakals Eltern, neben einer Pappelallee und einem kleinen Fluss gelegen, war noch eins der größeren im Ort. Es stand offenbar auf dem Gelände einer ehemaligen Kolchose, zumindest war das große Grundstück in einem Umkreis von etwas hundert Metern bedeckt von den verrosteten Wracks landwirtschaftlicher Fahrzeuge und LKWs. Tavakals Plan sah nun vor, dass wir zunächst einige andere Bekannte und Verwandte im Dorf besuchen sollten, bevor wir abschließend im Haus seiner Eltern etwas länger einkehren sollten. Er hatte sich bereits etwas verstimmt darüber gezeigt, dass wir dort nicht zumindest eine Nacht verbringen wollten.
Der kleine Flecken bestand aus vielleicht 20 oder 30 Häusern, und am Ende dieses langen Tages sollten wir etwa in einem Drittel davon zu Gast gewesen sein. Wir betraten das erste Grundstück, durch ein Tor in einem Zaun, der aus getrockneten Stöcken bestand, durch einen staubigen Innenhof in ein von Wein umranktes niedriges Gebäude aus Lehm, das weiß angestrichen war. Vom Herrn des Hauses wurden wir in die gute Stube gebeten, in der eine Tafel vorbereitet war, die der vom heutigen Morgen zum Verwechseln ähnlich sah: Die gleichen Bodenmatten, die gleichen Speisen und Süßigkeiten, das gleiche Obst. Hier allerdings saß bereits eine Runde von jüngeren und älteren Männern auf den Matten, die jüngeren in Anzügen und mit Krawatten, die älteren weißbärtig und in ihren langen warmen Mänteln. Wir wurden kurz und freundlich begrüßt. Nachdem wir uns gesetzt hatten, wurde ein kurzes Gespräch darüber angeknüpft, wer wir seien und woher Tavakal uns kenne, geleitet von keinesfalls übertriebener Neugierde. Frauen bekamen wir nicht zu Gesicht, über ihren Verbleib bekam ich unterschiedliche Auskünfte: Die würden sich von den Männern gesondert treffen, meinte Tavakal zu uns; Kai neigte eher zu der Ansicht, dass die Frauen schlichtweg den ganzen Tag mit der Zubereitung der Speisen beschäftigt seien. Nach wenigen Minuten wurden denn auch einige dampfende Schüsseln hineingereicht, in denen sich eine kräftige Brühe sowie ein Stück Hammel (von einem nicht genauer zu identifizierenden Körperteil) befanden. Die Runde wurde still, nur ein Schlürfen und Knurpsen war zu hören. Die älteren Männer beendeten ihre Mahlzeit recht schnell. Einer von ihnen sprach zum Abschluss einen Segen, und danach erhoben sie sich alle fast wortlos und verabschiedeten sich recht schnell. Alleingelassen im Speiseraum, sahen auch wir keinen Grund noch länger zu bleiben und verließen das Grundstück, um zum nächsten guten Nachbarn von Tavakals Eltern zu gehen.
Spätestens beim dritten Haus stellten wir fest, dass bei diesen Besuchen stets alles vollkommen ritualisiert ablief: Die Männer setzten sich an die stets gleich ausgestattete Tafel, wir als ausländische Ehrengäste erhielten die besten Plätze, die sich, wie in einer mongolischen Jurte, immer gegenüber dem Eingang befinden; jedes Mal sprach Tavakal kurz mit den männlichen Verantwortungsträgern des Haushalts, mit den Gleichaltrigen vielleicht etwas länger; nach etwa fünf Minuten wurde die Hammelsuppe aufgetischt; wie selbstverständlich befolgten alle die kleinen Regeln des tadschikischen Miteinanders: Man stelle seine Füße niemals so, dass die Fußsohlen zu anderen in der Runde zeigen, man zerteile das Fladenbrot in möglichst kleine Stücke, damit alles etwas davon haben, man lasse das Fladenbrot niemals auf der Oberseite liegen, weil dies Unglück bringt, der Älteste des Hauses zerschneide das Obst und verteile es an die anderen, und etliches mehr; und am Ende sprach stets einer der Aksaqals („Weißbärte“) sein „Bismillah“, woraufhin alle sich erhoben. Oft trafen wir dabei Männer wieder, mit denen wir in schon in anderen Häusern gemeinsam an der Tafel gesessen hatten. Dieser Ablauf dauerte jedes Mal zwischen 15 und maximal 30 Minuten.
Nach etwa zweieinhalb Stunden hatten wir so viele Verwandte und Bekannte in ihren Lehmhäuschen besucht und waren so angefüllt mit grünem Tee und Hammelsuppe (und die Mägen von Kais Kindern so vollgeladen mit Bonbons und Kuchen), dass wir Tavakal darum baten, nun langsam zum Haus seiner Eltern zu gehen. Er war ein wenig enttäuscht und sagte, es gebe doch noch so viele Verwandte und Freunde, die wir noch nicht kennengelernt hätten, aber schließlich führte er uns zum Haus der Eltern zurück. Ein weiteres Mal stand uns nun die gewohnte Tafel bevor, dieses Mal zu unseren besonderen Ehren um einige zusätzliche Gänge mit Hammelfleisch ergänzt. Ich war mittlerweile gegenüber dem Zerkauen und Verschlucken des Knorpels glücklicherweise etwas abgestumpft, und Kai, der nun seit vielleicht zehn oder fünfzehn Jahren in der Region heimisch ist, schien ohnehin vollkommen daran gewöhnt zu sein. Die Unmengen an grünem Tee trieben mich jetzt allerdings immer häufiger zum zugigen Plumpsklo im Garten, und so war ich froh, als alle in dieser Runde denkbaren Gespräche zu Ende geführt waren und wir unter nicht enden wollenden Verabschiedungen langsam den Rückweg antraten.
Wir waren vollgefressen und hatten ein wenig echte Dorfatmosphäre geschnuppert; aber was war das nun eigentlich für ein Fest gewesen, an dem wir teilgenommen hatten? Was wurde eigentlich gefeiert? Gab es einen lebendigen religiösen Hintergrund? Die Menschen hatten es sich gut gehen lassen, darüber hinaus hatten sie vor allem Bekanntschaften gepflegt. Der Sinn all dessen schien aus meiner Sicht tatsächlich vor allem der Erhalt des Kollektivs, die Vergegenwärtigung des Gemeinschafts- oder Gemeindegefühls zu sein. Der spirituelle Rahmen, in dem dies stattfand, erschien mir mehr als dürftig. Wie anders scheint das doch in Deutschland zu sein, wo Weihnachten so vollkommen von spirituellen und weltlichen Mythen aufgeladen ist (ohne dass dies zu einer erhöhten Spiritualität der Menschen führen würde) – und wo gerade nicht die Ehrung des Kollektivs im Vordergrund steht, sondern der vollständige Rückzug ins Private, die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse und (Geschenk-)Wünsche; und die Erzeugung von Gemütlichkeit – ich frage mich, ob sich dieses deutsche Wort wirklich sinngleich ins Tadschikische übersetzen lässt.